Friedrich-Gerstäcker-Preis für Jugendliteratur verliehen!
Die Stadt Braunschweig verlieh den Friedrich-Gerstäcker-Preis an Anja Tuckermann für ihr Buch Mano. Der Junge, der nicht wusste, wo er war
Die Preisjury hat ihre Entscheidung für das Buch Mano, der Junge, der nicht wusste, wo er war, mit dem folgenden Wortlaut begründet: In einer Collagetechnik beschreibt Anja Tuckermann die Zeitspanne des Sinto Mano zwischen der Trennung von seinen Geschwistern am Ende des Zweiten Weltkrieges und dem Wiederfinden seiner Familie nach Jahren in Frankreich.
Mit facettenreichen Bildern und Perspektivwechseln wird Manos Gefühlswelt, gerade auch in seinen inneren Monologen, direkt für den Leser nachvollziehbar.
Die Autorin schildert das Schicksal des verlorenen Kindes, das nach den traumatisierenden Erlebnissen im KZ nicht mehr zu unterscheiden vermag zwischen Gut und Böse, das aus seiner, die physische Existenz sichernden Rolle ohne Hilfe nicht mehr herausfindet und dennoch verlernt hat Hilfe anzunehmen.
Die Perspektive eines Sinto als Protagonisten, noch dazu eines in eine neue, befremdliche Heimat geworfenen Kindes, ist eine bislang selten bearbeitete Thematik im Jugendbuch. Sie und der außergewöhnliche, sich auf unterschiedlichen Erzählebenen souverän bewegende Stil unterstreichen die große Dichte und Eindringlichkeit des Preisbuches 2009."
Die Preisverleihung erfolgte am 12.11.09 in der Dornse im Altstadtrathaus der Stadt Braunschweig. Die Laudatio hielt Frau Dr. Edda Eska vom Friedrich-Bödecker-Kreis Brandenburg, musikalisch wurde die Preisverleihung vom Wolkly Rosenberg Trio, Hamburg, umrahmt. Angenehm fiel die grafische Gestaltung rund um die Preisverleihung auf, Banner und Begleitheft in interessanter Gestaltung machten einen "frischen" Eindruck.

Informationen über den Friedrich-Gerstäcker-Preis für Jugendliteratur findet man auch hier auf den Seiten der Stadt Braunschweig:
www.braunschweig.de/friedrich-gerstaecker-preis
Friedrich-Gerstäcker-Preis für Jugendliteratur
Aus den Statuten des Preises: Zum Andenken an den Weltreisenden und Schriftsteller Friedrich Gerstäcker (1816-1872), der seine Jugend und seine letzten Lebensjahre in Braunschweig verbrachte, hat die Stadt Braunschweig 1947 den Friedrich-Gerstäcker-Preis gestiftet. Er ist damit der älteste Jugendbuchpreis Deutschlands.
Mit der Verleihung dieses mit 6.500 Euro dortieren Preises würdigt die Stadt Braunschweig alle zwei Jahre ein in deutscher Sprache verfasstes Werk einer/s lebenden Schriftstellerin/Schriftstellers aus dem deutschsprachigen Raum Europas. Das preisgekrönte Buch soll jungen Erwachsenen in sprachlich anspruchsvoller Form das Abenteuer der Begegnung mit fremden Welten fantasievoll vor Augen führen und dabei die Gedanken der Toleranz und Weltoffenheit in der Auseinandersetzung mit anderen Traditionen, Religionen, Rassen und Wertvorstellungen näherbringen. Die Vermittlung eines Problembewusstseins im Umgang mit Unbekanntem und die Thematisierung gesellschaftlicher Tabus sollen die jungen Leserinnen und Leser zur eigenen Positionsbestimmung anregen.
Der Friedrich-Gerstäcker-Preis für Jugendliteratur
1952 Kurt Lütgen. Der grosse Kapitän
1954 Fritz Mühlenweg. In geheimer Mission durch die Wüste
1956 Hans Baumann. Die Höhlen der großen Jäger
1958 Erich Wustmann. Taowaki
1960 Herbert Kaufmann. Des Königs Krokodil
1962 Karl Rolf Seufert. Die Karawane der weissen Männer
1964 Herbert Plate. Der aus dem Dschungel kam
1966 Karl Friedrich Kohlenberg. Ben Ali und seine Herde
1968 Lieselotte Welskopf-Henrich. Die Söhne der grossen Bärin
1970 Christoper S. Hagen. Geheimauftrag
1972 Kurt Lütgen. Gesamtwerk
1974 Thomas Jeier. Der grosse Goldrausch von Alaska
1976 Frederik Hetmann. Der rote Tag
1978 Barbara Bartos-Höppner. Silvermoon
1980 Werner J. Egl. Heul doch den Mond an
1982 Klaus Kordon. Monsun oder der Weisse Tiger
1984 Sigrid Heuck. Mondjäger
1986 Günter Sachse. Das Floss der armen Leute
1988 Rainer Maria Schröder. Abby Lynn - verbannt ans Ende der Welt
1990 Kurt Wasserfall. Ben Makhis oder Die Reise in das Abendland
1992 Ghazi Abdel-Qadir. Abdallah und ich
1994 Nina Rauprich. Die abenteuerliche Flucht des Carl Kroll
1996 Arnulf Zittelmann. Unterwegs nach Bigorra
1998 Günther Bentele. Wolfsjahre
2003 Wolfram Hänel und Ulrike Gerold. Irgendwo woanders
2005 Christa-Maria Zimmermann. Hundert Tage bis Lhasa
2007 Iva Procházková. Wir treffen uns, wenn alle weg sind
2009 Anja Tuckermann. Mano. Der Junge, der nicht wusste, wo er war
